Herein, die Tür ist offen

24 Sonette und das „Sonett der schönen Seilerin“ der Louïze Labé (1555) in strenger Übertragung ins Deutsche.
Louïze Labé (* ca. 1524 in Lyon; † 25. April 1566 in Parcieux-en-Dombes bei Lyon).
Nach ihrer 2. Heirat mit einem reichen Seilfabrikanten hieß sie fortan „la Belle Cordière", „die schöne Seilerin“ (siehe das 25. Sonett). In Deutschland ist sie bekannt dank der naturgemäß recht freien Übertragungen ihrer „petrarkischen“ Sonette durch Rainer Maria Rilke (1917) und der noch freieren durch Paul Zech (postum 1947). Rilke hat sich in keinem einzigen Sonett an das originale Zeilen- und Reimschema gehalten, was als ein Mangel angesehen und bedauert wird.
Louïze Labé beachtete genau die Sonettenform mit der Zeilenanordnung: abba für die zwei Vierzeiler und sechs Varianten für die zwei Terzinen, von denen ccd/eed allein 12 Mal vorkommt.
Die vorliegende Übertragung folgt streng dem Original der Louïze Labé. Lediglich im 19. Sonett gibt es in der 2. Terzine einen Zeilentausch.



Alle  Labe-25 Sonette-französische-deutsch

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Professor Wilhelm Ehmann, Direktor der Westfälischen
Landes-Kirchen-Musikschule Herford, Sept. 1972 Sept. 1972
Terzine im Akrostichon „Wilhelm Ehmann“

W enn immer einen Namen wir verehren,
I n dem, wie dies Akrostichon beweist,
L atent ein großer Mann steckt, dessen Lehren

H eut tiefste Ehrfurcht uns zu rühmen heißt,
E ntledigen wir uns der schönsten Pflicht.
L audamus te, Dein Werk, durch dessen Geist

M usik in wissenschaftlich strenger Sicht
E rlebnis wurde im sakralen Rahmen.
H at Herfords musikalisches Gesicht

M it Dir doch erst erlangt Profil und Namen!
A uch wenn Du niederlegst des Amtes Bürde,
N oblesse oblige, noch darfst Du nicht erlahmen!

N ein, jetzt erst recht mit Muße und mit Würde!


Wilhelm Ehmann 70 Jahre, 5.12.1974, Terzine im Akrostichon „Wilhelm Ehmann“

W elch weiter Weg seit 1904
I m steten Müh´n um Wissenschaft und Lehr
L iegt heute überschaubar hinter Dir!

H oc anno nun die Pflicht uns beut, Dir Ehr´,
E xvoten dankesschuldigst darzubringen.
L aß Dir, dem nimmermüden Pensionär,

M it "Vocibus et tubis" drum lobsingen.
E in Leben lang mit Kuhlos Werk vertraut,
H ast fortgeführt es und vor allen Dingen

M it Wissenschaftlichkeit noch unterbaut.
A uf Deines Lebens 70-jähr´ger Leiter
N och viele Sprossen wünschen wir. Nicht flaut,

N ein bläht sich Deines Schaffens Segel weiter!


Martin Wolfram zum 31.12.72, Akrostichon „Martin Wolfram“

Mit 68 gehst Du in Pension.
Auf reichen Segen darfst zurück Du schauen!
Religio und Posaunenchor-Mission,

Trompete, Flügelhorn und Gottvertrauen
Im Weinberg Gottes füllten aus Dein Leben,
Nun ja, und ließen Dich im Amt ergrauen.

Wo immer Dir ein Instrument gegeben:
Orchester, Sänger und Posaunenchor,
Ließt du, dem Dienst der Kirche ganz ergeben,

Fürwahr, als großer Bläser und Kantor
Res sacrae Gott zu Lob und Preis ertönen!
Ars musica - o Glück, wer sie erkor! -

Mög Deinen Lebensabend Dir verschönen!


Kantor Martin Wolfram Sonett zum 90. Geburtstag, 10.11.1994

Der liebe Gott hat´s gut gemeint mit Dir.
Es ist - der 90 Jahre eingedenk –
der heut´ge Tag ein gnädiges Geschenk
und Deines hohen Alters "schönste Zier".

Dein Leben reich an Müh´n und Arbeit köstlich,
erfüllt von täglich neu geübter Pflicht.
Dein herrlicher Humor verließ Dich nicht
trotz der paar Meter "zu weit östlich."

Was "Vater" Müller einst Dich hat gelehrt,
Du hast es fortgeführt in seinem Sinn
und es mit Deinem Flügelhorn vermehrt.

Dein Glaubenseifer ward so zum Gewinn
und hat auch reichen Segen Dir beschert.
Der Herr mein´s gut mit Dir auch fürderhin!


Siegfried Matthus Sonett zum 70. Geburtstag, 13.4.2004

Der Weg, den zielbewusst du bist gegangen,
hat dich den schönsten Gipfel nehmen lassen.
Nun stehst du hier, und kannst es selbst kaum fassen,
wie alles hat dermalen angefangen.

Der frühen Jugend Lieder, die erklangen,
und auch der Heimat Bilder leicht verblassen.
Als kleiner Losbass unter Lorbassen
hast jedenfalls das Beste du empfangen.

An deiner Wiege jene Norne stand,
die goldne Fäden kunstvoll hat versponnen,
zu knüpfen dir der Musen schönstes Band.

Euterpens Zauberwelt hast du ersonnen,
wardst als der „Töne Meister“ weltbekannt.-
Schöpf’ weiter aus der Tonkunst tiefem Bronnen!



Prof. Dr. Siegfried Matthus, Komponist und Gründer der Kammeroper Schloss Rheinsberg (seit 1991).
Sonett zum 80. Geburtstag, 13.4.2014

Du edler Musikus, du Meister alles Schönen,
Du hast der Welt geschenkt erlesner Werke Viele.
Nun bist du 80, doch durchaus noch nicht am Ziele,
Frau Musika zu huldigen mit neuen Tönen.

In deiner Kunst sich Sprache mit Musik versöhnen.
Dich reizen des Theaters Lust- und Trauerspiele,
Und dafür findest du die angemessnen Stile,
Die Geist, Verstand, das Herz und auch das Ohr verwöhnen.

Nun sitzt du auf der Opuszahlen reichem Hort,
Den unermüdlich du bereicherst fort und fort
Und hütest, kaum geblendet von des Ruhmes Glänzen.

Die Zeit nicht drängt, dass du in Marmor wirst gehauen,
In Rheinsberg Musikanten dir ein Denkmal bauen,
Die Musen dir das Haupt mit goldnem Lorbeer kränzen.


Ed Tarr, Sonett zum 80. Geburtstag, 15. Juni 2016

Mein lieber Ed, die 80 Jährchen dein
hat dir Fortunens Huld und Gnad geschenkt,
sie hat durch alle Fährnisse gelenkt,
ließ dich in Kunst und Wissenschaft gedeih’n.

Je älter desto besser wird ein Wein.
Wenn hier des Jahrgangs Fülle man bedenkt,
und sich in seinen Reifegrad versenkt,
ist dies ein Spitzentropfen obendrein.

Genieße drum ihn lieber heut als morgen.
Er kann an Reife kaum noch besser werden.
Ins Gläschen schütte überflüss’ge Sorgen

und auch des Alters lästige Beschwerden.
Was kommen mag, ist uns zum Glück verborgen.
Das ist nun mal des Menschen Trost auf Erden.

Akrostichon zum Tod von
Horst Steiner (8.4.1921–20.2.2017)

H ast ein wundervolles langes Leben,
O Fortuna, unserm Freund gegeben.
R eicherfüllte sechsundneunzig Jahre
S chenktest du. Doch nun heißt’s Abschied nehmen
T rauernd, schmerzerfüllt an seiner Bahre.

S einer Hinterbliebnen Trauerschmerzen
T eilen leidend wir aus vollem Herzen.
E hrendes Gedenken wir bewahren
I hm, dem lob-und liebenswerten Mann.
N ie verblasst, was wir durch ihn erfahren.
E r, der heiter-ernst uns hob hinan,
R uhe ewig nun in unsern Herzen.


Sonett im Akrostichon „Siegfriedweber“
zum 80. Geburtstag 22. Januar 2016
S o sind die 80 Jahre hingegangen
I n deinem langen Leben, wechselvoll.
E s war ein Weg durch Haben und durch Soll.
G ewiss, kein müheloses Unterfangen.

F ürwahr, in Summa hast du viel empfangen.
R echt oft verschonte dich Fortunens Groll.
I m ganzen überwog des Lebens Dur das Moll.
E i nun, was wolltest du noch mehr verlangen!

D er Krieg hat aus der Heimat dich vertrieben.
W ardst in die bunte Stadt am Harz verschlagen.
E s hat dich hier gehalten, bist geblieben.

B leibst nun gefesselt durch des Leibes Plagen.
E s sei der Wunsch uns: Lass den Mut nicht sinken!
R echt viele Jahre mögen dir noch winken!

Winter 2014

Dem Herbst und Winter keineswegs ich schmolle.
Ich gönne gerne Ruhe der Natur
in Wald und Au’ und Feld und Flur,
wenn sie bedeckt mit weichem Laub die Scholle.

Zum Schlafen legt sie ab das wundervolle
Gewand, die sommerliche Garnitur,
entblättert uns die reizende Figur
und schlüpft in ihre nackte Nebenrolle.

Wir haben lange uns ergötzt an ihr,
an ihrem Grün und buntem Blütenkleid.
Drum tut uns ihre Blöße jetzt nicht leid.

Nicht lang, und sie erscheint in alter Zier,
wenn Frühlingshauch sie aus dem Schlaf wird wecken
und in geblümte Prachtgewänder stecken.



21. März Tag der Poesie

Der Tag der Poesie
Erheischt von uns Gereimtes.
Wir brechen
übers Knie
Darum nichts Abgefeimtes.

Die Liebe ausnahmsweise
Wir nicht auf Triebe reimen.
Auf ausgefahr
nem Gleise
Durchaus kann Neues keimen.

Tag des Wassers

Wasser ein Problem?
Haltet ein, Genossen.
Bei uns kommt’s bequem
Aus dem Hahn geflossen.

Schwimmen bis zum Hals
In der Badewanne.
Früher jedenfalls
Reichte eine Kanne.

Wer konnt damals sich
Duschen mal zu Hause?
Heut hat sicherlich
Jeder eine Brause.

Wasser wir verschwenden
Ohne nachzudenken.
Sollten etwas spenden,
Dürstenden verschenken.

Pipelines zu verlegen
In die Dürrezonen,
Das klingt sehr verwegen,
Aber würd’ sich lohnen.



Das Gutentum
Der Mensch sei edel, hilfreich, gut –
so fordert es der Dichter.
Der Gutmensch hört’s –und frohgemut
bestellt er sich zum Richter.
Er thront als Gutheits-Kommissar,
von Gutität besessen –
auf hilfreich oder edel gar
wird guterdings vergessen.
Doch diese Gutschaft, die sich dreist
mit Gutereien brüstet,
ist ob des Namens Gutmensch meist
recht gutenhaft entrüstet!
Zur Strafe gibt es dann noch mehr
der Gutling-Geßlerhüte –
so herrschen nicht von ungefähr
die Guten ohne Güte. (Pannonicus)


Der Populist ein Neuling ist.
Entstieg erst kürzlich der Retorte.
Vielleicht auch du ein solcher bist –
Bedenke alle deine Worte.
Das Volk, lateinisch populus,
ist jedem Gutmensch ein Verdruss.
Wer diesen Guten lästig ist,
bezeichnet man als Populist.
Der Populist steht rechts und links
auch in der Mitte schlechterdings.
Der Gutmensch muss auf allen Seiten
nun gegen Populisten streiten.
Denn hinter diesen sich verbergen
Rassisten oder Nazischergen.
Den Populist man leicht durchschaut,
weil er so völkisch um sich haut.
Auch auf der Wort- und Meinungswaage
tritt die Gesinnung leicht zutage.
Ein Wort, das auf dem Index ist,
macht dich sofort zum Populist.
Doch wer so abgestempelt ist,
ist Islamfeind, Rassist, Faschist.

Der Populist steht links und rechts,
und zwischen beiden Seiten.
Es gibt ihn beiderlei Geschlechts
bei Dummen und Gescheiten.

Der Populist ist janusköpfig,
zuhauf in den Extremen.
Dazwischen will recht sauertöpfig
der Gutmensch übelnehmen.

Aufs Volk berufen sie sich alle,
sogar die Volksparteien.
Doch „völkisch“ geht auf keinem Falle.
Denn deutsch wir nicht verzeihen.

Eliten reden elitär,
libenter in Latein.
Der Populist ist populär.
Doch keiner will es sein.

November - Dezember

Was l
ässt sich vom November mehr erwarten
als Nebel, Regen, Dunkelheit und Frost.
Verbl
üht, verwelkt, entlaubt siecht hin der Garten
Der Sonne Lauf w
ährt lang von West nach Ost.

Dezember uns nichts Besseres verhei
ßt.
Es werden k
ürzer noch die Tage Tag um Tag.
Das Jahr kriegt kalte F
üße und vergreist
Silvester trifft das V
äterchen der Schlag.


Klimaerwärmung

Und wieder uns der Winter dräut,
wir glaubten ja, ihn gibt
s nicht mehr,
weil Klimawandel uns erfreut.
Doch nun, wir haben das Malheur.

Sind
überrascht, weils friert und schneit
und Glatteis den Verkehr behindert.
Nat
ürlich steht kein Salz bereit.
Wer kann auch ahnen, dass es wintert.

Bei diesen tiefen Minusgraden
von Erderw
ärmung wir nichts hören.
Es k
önnten Umweltfreak-Tiraden
das winterliche Klima st
ören.


Der Frühling nahet, wartet nur.
Dann melden lauter sich zurück
die Wächter unserer Natur -
bierernst im Katastrophenglück.



Ketzerei-3 Sonette

Die Bibel das Wort Gottes offenbart.
So wird es frech den Menschen eingebläut,
seit Mose es verbreitet ungescheut,
dass es von Gott ihm selbst verkündet ward.

Erkannt hat Mose Gott an seinem Bart.
Der hat mit Blitz und Donner ihm gedräut
und jeden Zweifel so in ihm zerstreut.
Er sprach mit lauter Stimm’ von hoher Wart’:

„Befehle, 10 Gebote nimm entgegen.
Die kratze in die Täfelchen aus Ton
als Grundstein für die jüdische Religion.

Am ersten des Gebots ist mir gelegen.
Wer andre Götter neben mir erduldet,
hat seinen Tod unweigerlich verschuldet.“


Vom Berge Sinai herab begann
der Glaubenskriege blut’ger Menschenmord.
Mit Eifer man erfüllte Gottes Wort,
wie man es täglich noch erleben kann.

Im Namen Allahs kämpft der Muselmann.
Wer nicht auf seinen Gott schwört, stirbt sofort.
Wer irgend kann, sucht einen Zufluchtsort
vor dem Koran besessenen Tyrann.

Die Menschheit wird erst dann erwachsen werden,
wenn allen Göttern sie hat abgeschworen,
Papst, Rabbi, Iman in der Hölle schmoren,

wenn auch der Menschheit Kinderbücherei
von Bibel und Koran ist endlich frei.
Dann wird Verheißung wahr uns: Fried auf Erden.



Woran Theologie noch immer glaubt,
kann Wissenschaft viel besser uns erklären.
Auch was die Philosophen mühsam lehren,
ist meist schon überholt und angestaubt.

Zu lang der Mensch hat sich erlaubt,
die überholten Thesen zu verehren,
statt all den Ballast gründlich auszukehren,
der uns der wahren sciencia beraubt.

Das meiste Schriftgut ließe sich entsorgen,
zumindest in Archive fest verschließen,
für alle Zeiten jedermann verborgen.

Das Überholte soll uns nicht verdrießen.
Wir machen Schluss mit all dem Glaubensschrott.
Der aufgeklärte Mensch braucht keinen Gott.


Islamisierung

Durch Selbstmordterroristen
Unschuld’ge Menschen sterben.
Sie reißen Juden, Christen
Ins blutige Verderben.

Der Islam - man beteuert -
Hat nichts damit zu schaffen.
Wir sind total bescheuert
Und glauben jedem Pfaffen!


Auch jener „Erdowahn“
Sich einen Moslem nennt.
Bedroht mit dem Koran
Den ganzen Okzident.

Der Islam - so wir hören -
Ist schuld daran mitnichten.
Sind’s andre, die zerstören
Und morden und vernichten.


Die Türkenfrauen hier,
Die soll’n mit Fleiß gebären.
Damit sich fünffach schier
Die Moslems schnell vermehren.

Der Islam - man uns predigt -
Hat nichts damit zu tun.
Paris, Berlin erledigt,
Es folgte London nun.


Statt hier die Populisten
So mutig anzugehen,
Wir sollten Salafisten
Als die „Gefährder“ sehen.

Das sind die wahren Feinde!
Nicht die, die sie benennen.
Muslimische Gemeinde
Will nicht die „Schläfer“ kennen?


„Weit hinter der Türkei“ -
Das war zur Goethezeit.
Doch heut ist Kriegsgeschrei
Nicht einmal halb so weit.

Der Islam aber hat –
So sagt der Mensch, der gute -
Mit Morden des Dschihad
Mitnichten was am Hute.

Egal, ob Dschihadist
Und oder Taliban:
„Der Brutus aber ist
Ein ehrenwerter Mann!“


Luther im Jubiläumsjahr (31.10.2017)

O Luther, was hat nach 500 Jahren,
als du hast Thesen an die Tür geschlagen
und mit dem Papst bist Schlitten du gefahren,
die Rebellion bis heut uns eingetragen?

Papisten hast mitnichten du bekehrt,
und auch aus Juden Christen nicht gemacht
Des Papstes Diktatur noch immer währt!
Reformation? –Verlorne Glaubensschlacht.

Den Ablasshandel hast du zwar beseitigt,
doch wuchern weiter seine Metastasen.
Der Zölibat noch immer Missbrauch zeitigt.
Der Beichtstuhl dient der Lüge hohlen Phrasen.

Reliquienkult ward nicht durch dich besiegt.
Erst jüngst vom Papst Johannes Paul II.
ein Tropfen Blut im Kölner Dome liegt:
ein Höhepunkt der Kirche Scheußlichkeiten.

Wer irgendwie ein Wunder hat vollbracht,
den kann der Vatikanstaat heiligsprechen.
Zur Not ein Wunder wird sich ausgedacht.
Das Mindeste, des Pfaffen sich erfrechen.

Die Wunder, die bis dato sind geschehen,
so haltlos, wie von Jesus wird berichtet,
wohl an die Tausende inzwischen gehen.
O Wunder, wie man Wunder hat erdichtet!

Marien-Erscheinungsorte füllen Kassen,
weil man an Wunderheilungen lässt glauben.
Nach Lourdes und Fatima lockt man die Massen,
um dort sie abergläubisch auszurauben.

Die Wallfahrt, diese Geldeinnahmequelle,
hat Martin Luther seinem Volk verwehrt.
Der Katholik liebt weiter die Kapelle,
wo man ein Heiligen-Gebein verehrt.

Die Mönchs- und Nonnenklöster jener Tage
der schlimmsten Laster ärgsten Sündenpfuhle,
entlarvte Luther als die größte Plage,
gleich jenem Frevler auf dem Petristuhle.

Das „Dominus vobiscum“ in Latein,
das „Pater noster“ oder „Stabat Mater“,
die Plebs es plappert nach wie Papagei’n,
des Sinnes bar, souffliert von einem Pater.

Das Mönchslatein von Kanzel und Altar,
dies Kauderwelsch so voller Unverstand,
hat Luther, der der Deutschen Sprach’ gebar,
aus seinen Gottesdiensten klug verbannt.

Er hat ins Deutsch’ die Bibel übersetzt
und dieserhalb dem Volk aufs Maul geschaut.
Das Lutherdeutsch ist darum nicht zuletzt
uns heut noch umgangssprachlich sehr vertraut.

Der Jud und Muselmann mit beiden Beinen
in Mittelalters Düsternis noch kleben.
Die Christen haben von zwei Füßen einen,
mit dem sie humpelnd in die Neuzeit streben.

Auf diesem auch schon ziemlich lahmen Bein
der Junker Jörg dem Glaubensmief entflieht,
begründend den Reformations-Verein,
der sich des Papstes Vormundschaft entzieht.

Der Satan ist der Antichrist des Bösen.
Er macht die Güte Gottes sich zum Raube.
Man kann von aller Schuld sich nur erlösen,
nicht durch Gesetzes Werk, allein durch Glaube.

Auf diesen Satz das Luthertum sich stützt.
So hat die reformierte Glaubens-Sekte
dem Christentum nachhaltig nicht genützt.
Zu dürftig waren ihre Nutzeffekte.

Drum letztlich auch ein Luther ist gescheitert.
Denn wer die Bibel hält für Gottes Wort,
der hat den Horizont noch nicht erweitert,
der spinnt den alten Gotteswahn nur fort.

Um all die Kirchen und Konfessionen
zu reformieren, wie es fällig wär’,
das würde – Gott bewahre – nimmer lohnen.
Zu spät, die Götter brauchen wir nicht mehr.