Herein, die Tür ist offen


Familienseite


Weit und schön ist die Welt, doch o wie dank ich dem Himmel,
dass ein Gärtchen beschränkt, zierlich mein eigen gehört.
Bringt mich wieder nach Hause! Was hat ein Gärtner zu reisen?
Ehre bringt’s ihm und Glück, wenn er sein Gärtchen versorgt. (Goethe)


Freilich mein Gärtchen ist schön, täglich mein Auge sich labt.
Hier ich fühl mich daheim, warum nur sollt ich verreisen?
Schön gewiss ist die Welt, Reisen, so sagt man, soll bilden.
Doch über Astra und Google hol ich die Welt mir ins Haus.


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16. November 2014
Dem Herbst und Winter keineswegs ich schmolle.
Ich gönne gerne Ruhe der Natur
in Wald und Au’ und Feld und Flur,
wenn sie bedeckt mit weichem Laub die Scholle.

Zum Schlafen legt sie ab das wundervolle
Gewand, die sommerliche Garnitur,
entblättert uns die reizende Figur
und schlüpft in ihre nackte Nebenrolle.

Wir haben lange uns ergötzt an ihr,
an ihrem Grün und bunten Blütenkleid.
Drum tut uns ihre Blöße jetzt nicht leid.

Nicht lang, und sie erscheint in alter Zier,
wenn Frühlingshauch sie aus dem Schlaf erweckt
und sie in neue Prachtgewänder steckt.


November 2016
Was lässt sich vom November mehr erwarten
als Nebel, Regen, Dunkelheit und Frost.
Verbl
üht, verwelkt, entlaubt siecht hin der Garten
Der Sonne Lauf w
ährt lang von West nach Ost.

Dezember uns nichts Besseres verhei
ßt.
Es werden k
ürzer noch die Tage Tag um Tag.
Das Jahr kriegt kalte F
üße und vergreist
Silvester trifft das V
äterchen der Schlag.


Klimaerwärmung
Und wieder uns der Winter dr
äut,
wir glaubten ja , ihn gibt
s nicht mehr,
weil Klimawandel uns erfreut.
Doch nun, wir haben das Malheur.

Sind
überrascht, weils friert und schneit
und Glatteis den Verkehr behindert.
Nat
ürlich steht kein Salz bereit.
Wer kann auch ahnen, dass es wintert.

Bei diesen tiefen Minusgraden
von Erderw
ärmung wir nichts hören.
Es k
önnten Umweltfreak-Tiraden
das winterliche Klima st
ören.

Der Frühling nahet, wartet nur.
Dann melden lauter sich zurück
die Wächter unserer Natur -
bierernst im Katastrophenglück.



Herbstgedanken

Im Herbst das jedesmalige Erstaunen,
das immer wieder gleiche, Jahr für Jahr:
der Flora des Oktobers bunte Launen!
Wir nehmen diese Malkunst dankbar wahr.

Der Farbpalette wundervolle Pracht
uns beut der Garten dicht vor unsrer Nase.
Und eh der Sommer seinen Job vollbracht,
bleibt nur noch eine Rose für die Vase.

Schon um die Ecke der November dräut.
Auch der Altweibersommer spinnt und webt.
Der Winter uns die ersten Grüße beut.
Der Garten stirbt, der Weihnachtsmann doch lebt.


Weihnacht 2017

Wir haben im Adventskalender
das letzte Fensterchen erreicht.
Die Tanne steht geschmückt im Ständer.
Frau Holle tummelt sich vielleicht.

Wir kramen raus die Requisiten,
die weihnachtliches Flair verbreiten.
Wir schwören auf die alten Riten,
die uns vertraut seit Kindeszeiten.

Die Festkulisse pranget wieder
mit Kerzenschein und Duft nach Tanne.
Beim leisen Klang der Weihnachtslieder
schmort Gänsebraten in der Pfanne.

Wir blenden aus des Jahres Krampf
mit den polit’schen Pirouetten,
auch kurz die Sucht auf Pulverdampf,
das Klima und die Welt zu retten.


Sonette auf die Alte Musik

Es tun die alten Meister einem leid,
wie Schütz, Praetorius, Bach und Telemann.
Verstaubt historisierend kleidet man
und führt sie musikalisch auf im Bettlerkleid.

Wie würden sie betrachten voller Neid,
wie ihre Tonkunst heute klingen kann,
auf Instrumenten, die man neu ersann,
dazu durch orchestrale Mehrarbeit.

Man hat die Alten Meister insgesamt
zur Kammermusikalität verdammt,
zu einer abgespeckten Klang-Askese.

Der dünne Aufguss ist nicht zu genießen,
und überhaupt muss uns der Stil verdrießen
auf non-vibrato hinkender Prothese.


Die Alten Meister haben ja mitnichten
nur für Museumszwecke komponiert.
Dass man sie heut altbacken präsentiert,
darauf wir könnten gut und gern verzichten.

Die Möglichkeiten ihrer Zeit, die schlichten
und eingeschränkten, werden konserviert,
statt dass die Meister man so musiziert,
wie man es heute besser kann verrichten.

Inzwischen möchten wir’s nicht länger hören,
wie man Barock und Renaissance verhunzt,
weil elitäre Spießer darauf schwören.

Der alten Meister wunderbare Kunst
verdient nicht mehr die museale Nische.
Wir gönnen ihr moderne Jugendfrische.